Skimagazin

Partner

Seriensieger Marcel Hirscher beendet seine Karriere

Als Redakteurin bei Skigebiete-Test habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht: Seit September 2016 bin ich leitend für den Content auf Deutschlands größtem Wintersportportal zuständig. Die Berge faszinieren mich schon immer und auf Skiern bin ich zum ersten Mal im Kindergarten gestanden. Infiziert bin ich auch mit dem Weltcup-Virus, sodass ich nur selten Alpin- und Biathlonrennen im TV verpasse... Mehr erfahren

aktualisiert am Sep 6, 2019

Nach zwölf Jahren im Weltcupzirkus ist Schluss: Skirennläufer Marcel Hirscher beendet seine einzigartige Karriere. Das gab der Österreicher am Mittwochabend live im TV bekannt. Der 30-Jährige gehört zu den erfolgreichsten Skifahrern der Geschichte. Er gewann achtmal in Folge den Gesamtweltcup, holte 67 Weltcupsiege, sieben Weltmeistertitel und zwei olympische Goldmedaillen.

"Ich bin nicht mehr bereit den Preis zu zahlen"

Mit 30 Jahren hängt Marcel Hirscher seine Skier an den Nagel.
© OK Weltcup Alpin Schladming und Martin Huber Mit 30 Jahren hängt Marcel Hirscher seine Skier an den Nagel.

Mit Tränen in den Augen hat der 30-Jährige seine Entscheidung bei der Pressekonferenz in Salzburg bekanntgegeben: "Ich mache es kurz und schmerzlos. Heute ist der Tag, an dem ich meine aktive Karriere beende." Nach diesen Worten fühlte sich Marcel Hirscher sichtlich erleichtert und nicht mehr ganz so nervös.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte er die Entscheidung zum Karriereende getroffen. Dies sei nicht einfach gewesen und er habe tausendmal hin und her überlegt. Es sei schließlich für ihn nicht nur ein Berufswechsel, sondern ein Leben, das er beende. 

Am Ende waren es aber mehrere Gründe, die für einen Rücktritt gesprochen haben. Einer der wichtigsten: "Ich bin nicht mehr bereit den Preis zu zahlen." Zu groß war der Einsatz und Aufwand, den er zusammen mit seinem zwölfköpfigen Team geleistet hat. Denn alles andere als Siege sind für ihn nicht der Anspruch. Sein Motto: "150 Prozent oder gar nicht!" In diesem Zusammenhang war für ihn auch immer klar, dass er aufhören will, so lange er noch Rennen gewinnen kann. 

Hinzu kommt, dass er in den letzten Jahren gemerkt hat, dass ihm die Zeit zur Regeneration im Sommer zu kurz wird. "Mein Akku lädt nicht mehr so schnell, wie noch mit 19 Jahren", so Hirscher. Gleichzeitig ist er wahnsinnig froh, dass er seine Profikarriere ohne "große Wehwehchen" beenden kann und noch zwei gesunde Knie hat. "Ich will mit dem Kleinen Fußball spielen, Motocross fahren oder auch in die Berge gehen". Dies alles und viele weitere Sportarten hatte er ebenso wie das Feiern dem Skisport untergeordnet. "Es gibt viel für mich zu entdecken", freut er sich auf die Zukunft.

Ein Comeback in den aktiven Skisport schließt Hirscher aus. Wie er sich künftig engagieren und vor allem sein Wissen an den Nachwuchs weitergeben will, das werde er in den nächsten Monaten entscheiden. Ein Abschiedsrennen vor Weltcupkulisse soll es nach jetzigem Stand nicht geben.

Reihenweise Rekord geholt

Sein letzter Weltcupsieg: Der Triumph beim Nightrace in Schladming am 29. Januar 2019.
© OK Weltcup Alpin Schladming und Martin Huber Sein letzter Weltcupsieg: Der Triumph beim Nightrace in Schladming am 29. Januar 2019.

Was Marcel Hirscher im Laufe seiner erfolgreichen Karriere erreicht hat, wird in vielen Teilen unerreicht bleiben. Allen voran gewann er zwischen 2012 und 2019 acht Mal in Folge den Gesamtweltcup und sechs Mal die Disziplinwertungen im Slalom und Riesenslalom. Damit liegt er deutlich vor den bisherigen Rekordgewinnern wie Annemarie Moser-Pröll (6x Gesamtweltcup) und Marc Girardelli (5x Gesamtweltcup). Mehr als dreimal in Folge schaffte dies vor ihm sowieso noch niemand.

Und auch sonst brach der Technikspezialist reihenweise Rekorde, sei es mit den meisten Siegen in einer Saison (13) oder den meisten je gesammelten Weltcuppunkten im Slalom und Riesenslalom. Außerdem ist er Österreichs erfolgreichster WM-Teilnehmer im alpinen Skisport mit sieben Gold- und vier Silbermedaillen. An neun Austragungsorten ist Hirscher zudem absoluter Rekordsieger: So holte er allein in Adelboden neun Weltcupsiege. "Ich habe mir nie zu träumen gewagt, soviel zu gewinnen. Ich bin sehr stolz darauf, was ich da zusammen gebracht habe", so Hirscher in seiner Abschiedskonferenz. 

Nur eine Rekordmarke blieb Hirscher bis zum Karriereende verwehrt: Die insgesamt 86 Weltcupsiege von Ingemark Stenmark konnte er nicht knacken. Selbst an Lindsay Vonn mit ihren 82 Triumphen kam er nicht heran. Mit 67 Weltcupsiegen wird Hirscher in die Geschichtsbücher eingehen. Sein letztes Weltcuprennen gewann er Ende Januar 2019 beim Nightrace in Schladming. Wenige Tage später räumte er bei der WM in Åre noch Slalom-Gold und Riesenslalom-Silber ab.

>> Terminkalender des Ski-Weltcups 2019/20

Ein Ausnahmetalent von klein auf

Hirscher war bekannt für seine aggressiven Linien und riskierte selbst bei schwierigsten Bedingungen immer alles. Ausgeschieden ist er trotzdem fast nie.
© OK Weltcup Alpin Schladming und Martin Huber Hirscher war bekannt für seine aggressiven Linien und riskierte selbst bei schwierigsten Bedingungen immer alles. Ausgeschieden ist er trotzdem fast nie.

Die Karriere von Marcel Hirscher begann schon früh. Als Sohn zweier Skilehrer fuhr er bereits als Kind internationale Siege ein und galt als mehrfacher Schüler- und Jugendmeister schnell als Ausnahmetalent. Immer an seiner Seite: Vater Ferdinand, sein erster und auch sein letzter Trainer. Seine Mutter ist im übrigen Niederländerin, daher hat Marcel auch die doppelte Staatsbürgerschaft.

In der Saison 2007/08 taucht der junge Annaberger als 18-Jähriger zum ersten Mal im Weltcup auf und legte dort eine rapide Steigerung hin: Bereits vier Jahre später gewinnt er zum ersten Mal den Gesamtweltcup. Und auch in den darauf folgenden sieben Jahren heißt der Sieger der großen Kristallkugel immer Marcel Hirscher.

Diese konstante Leistung auf allerhöchstem Niveau ist im Wintersport bisher einzigartig. Schwächephasen leistete sich der Annaberger kaum, von großen Verletzungen und Krankheiten blieb er verschont. Riesig war seine Disziplin und akribisch seine Rennvorbereitungen auch im Hinblick auf das Material. Wie eine Maschine spulte er seine Läufe auch bei den schwierigsten Bedingungen ab und ging immer bis ans Limit. Trotz des hohen Risikos schied er fast nie aus. Stattdessen gewann er die Rennen teilweise mit über einer Sekunde Vorsprung und brachte die Konkurrenz damit zur Verzweiflung

Bereits vor einem Jahr Rücktrittsgedanken

Über ein Karriereende hatte der fünffache Sportler des Jahres aus Österreich bereits im Sommer 2018 nachgedacht. Kurz zuvor hatte er Freundin Laura auf Ibiza geheiratet und das erste Kind der beiden war unterwegs. Hirscher wollte mehr Familienvater sein und Zeit zu Hause in Annaberg (Salzburger Land) verbringen. Gleichzeitig fühlte er sich damals noch motiviert genug, um weiterzumachen. Dies hat sich nun geändert. Nach Felix Neureuther verlässt mit Marcel Hirscher in diesem Jahr ein zweiter Slalomspezialist und Publikumsliebling die Weltcupbühne.

Bei der Pressekonferenz in Salzburg präsentierte er sich noch einmal mit all seinen gewonnen Kristallkugeln und Medaillen. Sie sind normalerweise im Safe seiner Bank untergebracht. Ein Marcel-Hirscher-Museum mit all seinen Trophäen soll es nach jetzigem Stand nicht geben.

Wird Hirscher jetzt Rennfahrer?

Ein neues schnelles Hobby scheint Hirscher bereits gefunden zu haben. In den letzten Wochen sah man ihn mehrmals am Red Bull Ring, wo er mit einem MotoGP-Bike von KTM seine Runden unter anderem mit Rallye-Dakar-Sieger Matthias Walkner drehte. Auch seine über 1,3 Millionen Fans auf Instagram, Facebook und Twitter ließ Hirscher daran teilhaben:

Ähnliche Artikel im Skimagazin
Angebote & Tipps

Aktuelle Umfrage

Wie machst du dich fit für den Winter?
(Mehrfachauswahl möglich)
Hinweise zum Datenschutz

Forum und Usermeinungen

Seppivor 2 Wochen
Beste Entscheidung die er treffen konnte!! Nach so einer fulminanten Karriere, Respekt an Marcel Hirscher.
Login mit Google+